Stadtrat Koblenz und die “Aufwertung der Südallee”

Stadtrat Koblenz und die “Aufwertung der Südallee”

Ein offener Brief an die Stadt Koblenz

Sehr geehrter Stadtrat Koblenz,

Sie sind aktuell die Instanz die am morgigen Tag, Freitag dem 13.12.19 (!) über die Beschlussvorlage BV/0871/2019, verfasst durch das Grünflächen- und Bestattungswesen, abstimmt. Ich möchte hiermit – wenn auch im Hinblick auf den zeitlichen Rahmen – dringlichst auf die Konsequenzen der Zustimmung Hinweisen.

Die Vorlage beginnt mit den Worten “Die Südallee befindet sich in einem sanierungsbedürftigen Zustand” und dem kann jeder, der diese Straße regelmäßig verwendet nur zustimmen. Die Straße ist in den meisten Fällen lediglich Teer auf Kopfsteinpflaster, der Gehweg durch die Allee selbst hat sicher auch schon besserer Tage gesehen. Alles in allem, trifft “sanierungsbedürftig” definitiv den Nagel auf den Kopf. Ich möchte allen Lesern die Gelegenheit geben, wie auch die Stadt Koblenz, sich ein Bild der Situation zu machen
http://www.koblenzer-stadtgruen-friedhoefe.de/foerderprojekt-suedallee.html

Bereits 2017 gab es dazu die auf der Webseite beschriebene Umfrage, die aber allem Anschein nach nicht berücksichtigt wird in der aktuellen Planung der Firma MANN Landschaftsarchitektur. Unter der Teilnehmern auch meine Frau und Ich. In der Umfrage gut zu erkennen: die meisten Teilnehmer zwischen 25-55 Kategorie. Oder anders ausgedrückt: Berufstätig. Weiter fassen wir zusammen: Sitzgelegenheiten, Spielmöglichkeiten, Grünflächen und “Bäume (sollen erhalten werden)” (sic) waren dabei die größten Wünsche. Zusätzlich wünschen sich die Befragten bei der Frage “Für welche Verkehrsnutzung sollte die Südallee hauptsächlich ausgelegt sein?” eher Fußgänger und Radfahrer also Autos. Natürlich, Parkplätze gibt es ja bereits. Der Gehweg in der Mitte der Südallee und der Straßenbelag lassen dagegen stark zu wünschen übrig.
Besonders möchte ich auf das Freitextfeld eingehen, hier wird nochmal deutlich: Alle möchten die aktuellen Bäume erhalten und (ordentliche) Grünflächen. Weiter ist in den Texten zu lesen, dass eine Verkehrsberuhigung gewünscht ist, was durch die mehrfache Trennung der Südallee aber eigentlich bereits umgesetzt ist. Daraus wurde unterm Strich “[…] wünschen sich eine grüne, barrierefrei gestaltete  und verkehrsberuhigte Baumallee”.
Aber die Umfrage haben Sie ja bereits gelesen. Im übrigen nahmen an der Umfrage deutlich mehr Personen Teil (329), als an den Bürgerworkshops (1. und 2. waren insgesamt 100 Personen anwesend).

Der jetzige Entwurf soll nach Schätzungen 13.586.447,17 € an Kosten verursachen, ohne weitere Pflege der Anlagen einzuberechnen. Das ist angesichts anderer Bauprojekte die gerade in Koblenz stattfinden noch vertretbar. Ich möchte allerdings auf folgende, augenscheinlich nicht berücksichtigte Punkte, hinweisen, da sich daraus einige wichtige unbeantwortete Fragen ergeben:

  • Die Ergebnisse bzw. Rückmeldungen zum Thema Car-Sharing sind nicht einsehbar
  • Wie sehen die Bedingungen der Car-Sharing Anbieter aus?
  • Für das Thema E-Mobilität gibt es momentan kein erkennbares Konzept
  • Wie hoch sind die erwarteten Betriebskosten der Grünanlagen?
  • Wie hoch sind die erwarteten Betriebskosten für die Ladestationen?
  • Werden die Müll- und Wertstoffbehälter unterirdisch verlegt, bedeutet das für die Stadtbetriebe nicht auch gleichzeitig neue Fahrzeuge die diese Behälter leeren können?
  • Der Plan sieht vor insgesamt 28% der Parkflächen entfernen und hoffen darauf, dass dafür kein Ersatz nötig wird. Was ist Ihre Exit-Strategie, die bei jeder Projektplanung dieser Größenordnung üblich ist, wenn die Anzahl der Fahrzeuge nicht wie erwartet durch Car-Sharing und Fahrräder abnimmt?
    • Ich möchte darauf hinweisen, dass diese Parkflächen nicht ausschließlich von Anwohnern verwendet werden. Wie bereits richtig in der Beschlussvorlage ausgeführt: Die Südallee ist ein Mischgebiet. Pfleger, Krankenschwestern/Arzthelfer*innen, Lehrer für zwei Schulen im Betroffenen Gebiet uvm. fahren täglich in die in diese Straße und sind in dieser Umfrage mit Sicherheit nicht repräsentiert.
  • Aus welchem Grund sollen die großflächigen Bäume in Bauabschnitt 1+2, die bereits heute tonnenweise CO² aufnehmen durch vergleichsweise winzige, pflegeleichte Zierkirschen ersetzt werden? Zumal dies direkt gegen die Umfragen geht.
  • Die Beschlussvorlage beschreibt, dass die Straße bis zur Fertigstellung des Umbaus nur “das unbedingt notwendigste” vorsieht. Ich möchte hiermit in Frage stellen, dass der jetzige Straßenbelag in einigen Teilen der Straße bis zum Ende der Bauzeit akzeptabel bleibt.

Alles in allem kommen mir bisherigen Ergebnisse so vor, als ob sich hier, wie aktuell so oft in Deutschland, eine kleine Gruppe lautstark über die Mehrheit hinwegsetzen möchte. Momentan scheint das in der BRD sehr gut zu funktionieren.

Mit freundlichen Grüßen
Martin Himken

Hinweise des Autors:
Ich wohne in Koblenz seit 2008 und das immer mit Nutzen der Südallee. Als Student, als Arbeitnehmer und als Teamleiter und jetzt als Familienvater. In allen Fällen ist und bleibt die Südallee eine wichtige Strecke die das Wohngebiet Vorstadt mit dem Stadtzentrum verbindet … und zwar für Anwohner, nicht für Autos. In dieser Zeit ist mir als Anwohner, zunächst ohne dann mit eigenem Fahrzeug, aber auch klar geworden: Der Zustand muss sich ändern.
Allerdings sehe ich auch, dass hier Pläne entwickelt werden, die vermuten lassen Koblenz wäre eine Stadt wie Stuttgart. Tatsächlich hat Koblenz ein wenig über 100.000 Einwohner und gehört damit zu einer der 81 Großstädte Deutschlands (Platz 68). Die aktuellen Pläne des “Grünflächen- und Bestattungswesen” fühlen sich wenig ausgereift an. Noch schlimmer – sie fehlinterpretieren bzw. ignorieren die Bürgerumfrage. Vor allem die Ignoranz der hier Arbeitenden Personen Kreide ich den Verfassern an. Lehrer, Pflegepersonal, Krankenschwestern – die wohnen i.d.R. nicht hier. Alternative Parkplätze gibt es nicht. Jeder Tag ist ein Kampf um den Parkplatz aufs neue. Wir haben einen kleinen Nissan Micra, keinen SUV, keinen A6. Die Pläne würden uns auf kurz oder lang dazu zwingen aus Koblenz auszuziehen. Damit sind wir mit 30+ und Kind hier bei weitem nicht alleine.

UPDATES: Rechtschreibfehler korrigiert (Danke für den Hinweis)